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Security

Blockchain – Automatisiertes Vertrauen

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Erstellt: 21.12.2017

Blockchain – Automatisiertes Vertrauen

Die Blockchain ist eine dezentrale Datenbank, die den Informationsaustausch sicherer und transparenter macht. Zahlreiche Branchen können davon profitieren.


Die Zukunft sicherer digitaler Kommunikation beginnt in Rotterdam: Die Hafengesellschaft Port of Rotterdam hat sich zum Ziel gesetzt, den grössten Tiefseewasserhafen Europas zum „besten, intelligentesten und nachhaltigsten Hafen der Welt“ zu machen. Damit das gelingt, testet der Rotterdamer Hafen im Rahmen einer Initiative Lösungen, um Container-Frachtwege transparenter, sicherer und kostengünstiger nachzuverfolgen. Die Vision: weniger Betrug, weniger Fehler – weil das aufwändige und teure Hin und Her über analoge Frachtpapiere schlicht entfällt. Basis der Lösung: die Blockchain-Technologie.

Trifft ein Schiff eine halbe Stunde zu früh im Hafen ein, kann der LKW-Fahrer, der Ladung daraus entgegennehmen soll, bislang kaum auf die Verschiebung reagieren. Zeitverlust und finanzielle Einbussen sind die Folgen. Mit der Blockchain-Technologie lassen sich Frachtinhalte entlang der ganzen Lieferkette in Echtzeit verfolgen. Transportwegüberwachung gibt es zwar bereits seit Längerem, allerdings oftmals mit Lücken. Und nicht alle am Logistikprozess beteiligten Parteien haben Zugriff darauf. Ganz anders mit Blockchain: Alle Parteien sind auf demselben Informationsstand und planen ihre Ressourcen effizienter.

Dr. Raimund Matros, anlässlich des Digital Academic Summit 2017, über Anwendungspotentiale der Blockchain im Lehrbereich, welche gute Voraussetzungen für digitale Zertifizierung zur Echtheitsprüfung und Anerkennung von Studienleistungen bietet.

Hacker ohne Chance

Weltweite Bekanntheit erlangte die Blockchain-Technologie in Zusammenhang mit Bitcoin – einer digitalen Währung, die Finanztransaktionen ohne Bank als Zwischeninstanz ermöglicht. Doch Blockchain lässt sich für jede Art von Information nutzen. Das innovative Konzept hinter dieser Technologie: eine dezentrale, auf mehreren Rechnern gespeicherte Datenbank, die Transaktionen zwischen verschiedenen Parteien erfasst. Die Transaktionen werden Peer-to-peer, also direkt untereinander, abgewickelt und von allen angeschlossenen Rechnern bestätigt. Diese Knotenpunkte agieren gewissermassen als Zeugen, die die Transaktion beglaubigen. Eine zentrale Vermittlerstelle ist obsolet. Das macht die Technologie sehr sicher, weil es auch keinen zentralen Datenbankserver gibt, den Hacker manipulieren können. Und jede Änderung an einem einzelnen Knotenpunkt sofort auffällt.

Die dezentrale Speicherung ist aber nur ein Aspekt, der die Sicherheit und Transparenz der Blockchain garantiert: Die Informationen sind in Blöcken gebündelt, die wie die Perlen einer Kette miteinander verbunden sind. Ein einzelner Block enthält nicht nur die Prüfsumme des vorhergehenden Blocks, sondern auch die Prüfsumme der gesamten Kette. Alle bisherigen Transaktionen sind damit in der Blockchain dokumentiert – einzelne Posten lassen sich nicht unbemerkt verändern. Dezentralität und permanent verfügbare Transaktionshistorie machen Blockchain zu einer hochgradig sicheren Technologie, die Vertrauen automatisiert.

Mehr als ein Hype

Sicherheit und Transparenz sind starke Argumente für Blockchain. Kein Wunder, dass sich der Rotterdamer Hafenbetrieb mit seinem Vorhaben in bester Gesellschaft befindet: Auch Unternehmen wie Maersk erproben Blockchain-Lösungen für die Schiffslogistik. Die Unternehmensberatung PwC hält die Logistikbranche gar prädestiniert für die neue Technologie – von der aber auch andere Branchen profitieren könnten: Von der Finanzwelt bis zum Energiesektor ist die Blockchain-Technologie dabei, viele Branchen zu revolutionieren.

Das zeigen auch die vielen Start-ups, die Anwendungen auf Blockchain-Basis entwickeln. Deutsche und internationale Universitäten forschen zudem verstärkt zur neuen Technologie. „Es existieren mittlerweile zahlreiche Blockchain-Infrastruktursysteme – auch erste Service-Modelle etablierter ITK-Anbieter“, sagt Bitkom-Blockchain-Experte Marco Liesenjohann. „Eine zentrale Frage für Unternehmensentscheider ist: Welchen Mehrwert generiere ich durch eine Implementierung auf Blockchain-Basis im Vergleich zu einer klassischen Lösung?“

Marco Iansiti und Karim R. Lakhani, Professoren für Betriebswirtschaft an der Harvard Business School, haben ein Modell entwickelt, dass Manager bei der Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen unterstützt. Ihre Empfehlung: klein anfangen, um das nötige Wissen für grössere Projekte aufzubauen. Und diese Projekte lassen nicht lange auf sich warten: MarketWatch prognostiziert eine Verzehnfachung des globalen Blockchain-Marktes zwischen 2016 und 2021 auf über 2,3 Milliarden US-Dollar.

Vergessene Ratenzahlung legt Auto lahm 

Diese rosigen Aussichten haben sicherlich auch damit zu tun, dass die Blockchain-Technologie so universell einsetzbar ist – etwa für sogenannte Smart Contracts. Das sind digitale Kaufverträge mit handfesten Auswirkungen auf die analoge Welt. Das Besondere: Wird eine im Vertrag festgehaltene Bedingung nicht erfüllt, tritt eine entsprechende Massnahme automatisch in Kraft. Eine vergessene Ratenzahlung führt dann beispielsweise dazu, dass das finanzierte Auto nicht mehr anspringt. Die Idee der Smart Contracts ist nicht neu, dank Blockchain lassen sich solche Verträge allerdings wesentlich effizienter und vertrauensvoller abwickeln: Menschliche Kontrollinstanzen sind überflüssig, der Eintritt der Vertragsbedingungen ist nicht manipulierbar.

Die Blockchain-Technologie ist auch im Energiebereich ein grosses Thema, wie eine Studie der Unternehmensberatung PwC für die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur zeigen. Mögliches Szenario: Nutzer, die selbst Strom aus regenerativen Quellen produzieren und verkaufen – und zwar ohne Rückgriff auf einen Stromkonzern. Die Blockchain garantiert eine transparente und schnelle Verrechnung. In New York gibt es bereits ein Pilotprojekt, bei dem Nutzer genau dies mit ihren Solarenergie-Überschüssen tun.

Plattenfirmen überflüssig

Auch Musikstreaming-Marktführer Spotify setzt auf die neue Technologie und hat im April 2017 ein Blockchain-Start-up gekauft. Dies soll vor allem Komponisten und Rechteinhabern mehr Sicherheit bringen: Dank Blockchain können sie jederzeit sehen, wer ihre Musik wie häufig abspielt. Anfallende Gebühren erhalten die Musiker dann direkt von den Nutzern – Plattenfirmen, Musikagenturen oder Banken sind dafür nicht mehr notwendig.

Hafen der Zukunft

Während die Liste der Anwendungsbeispiele kontinuierlich wächst, geht die Blockchain-Testphase in Rotterdam bereits ins zweite Jahr. Mehr noch: Hafenbetrieb und Stadt haben kürzlich das sogenannte BlockLab gegründet, um noch intensiver an Blockchain-Lösungen zu forschen. „Dieser Schritt passt hervorragend zu unserem Ziel, als ‚smartest port‘ die besten, weil intelligentesten Lösungen für die Supply Chain zu bieten“, sagt Allard Castelein, der Generaldirektor des Hafenbetriebs.

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Andrew Hutchison
Cyber Security Country Sales Specialist

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