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Workplace

Pflege 4.0: Zwischen Entlastung und Entmündigung

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Erstellt: 26.07.2018

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Smarte Assistenzsysteme sollen Senioren, Pflegekräften und Ärzten in Zukunft das Leben erleichtern. Doch wie steht es um die Ethik in der Pflege?


Pflegeroboter oder Pflegeheim? Für die Mehrheit der Deutschen ist das keine Frage: 83 Prozent der Bundesbürger können sich vorstellen, smarte Assistenzlösungen zuhause zu nutzen – wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Das hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ermittelt.
Kein Wunder, dass fast ebenso viele der vom BMBF Befragten (80 Prozent) die Forschung an Service-Robotern für den Einsatz in Haushalt, Pflege und Gesundheit für wichtig oder sogar sehr wichtig halten. Denn so viel steht fest: Ohne technische Unterstützung dürfte es für pflegebedürftige Senioren mittelfristig schwierig werden, den Lebensabend selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Schliesslich klafft die Lücke zwischen Bedarf und Verfügbarkeit ambulanter Pflegekräfte schon heute. Und demografischer Wandel und Fachkräftemangel werden die Lücke weiter vergrössern.

Smarte Lösungen fürs Alter

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, kommen auch in der Altenpflege zunehmend intelligente Assistenzsysteme (Ambient Assisted Living/AAL) zum Einsatz. Sie sollen den Weg zu einem selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter ebnen. Natürlich, die Idee ist nicht ganz neu: Seit vielen Jahren schon können Senioren und Pflegebedürftige über den Hausnotruf per Knopfdruck Hilfe ins eigene Heim rufen. Auch smarte Pflegebetten, steuerbare Duschsitze sowie akustische oder optische Systeme, die Patienten daran erinnern, die richtigen Medikamente zur rechten Zeit einzunehmen, gehören vielerorts bereits zum Alltag.

Doch das ist erst der Anfang. Das japanische Forschungsinstitut Riken hat bereits vor einigen Jahren den Robear vorgestellt: einen humanoiden Roboter in Gestalt eines Bären. Er soll bettlägerige Menschen eigenständig heben, tragen und sogar transportieren. Interaktive Kuscheltiere wie das in Schweden entwickelte Justocat vermitteln Demenzkranken Ruhe und Sicherheit und fördern die Kommunikation. Und auch Bundesforschungsministerin Johanna Wanka versprach, die Forschung an intelligenten Lösungen im Bereich Smart Home und AAL voranzubringen. Ihr Credo: „Der Mensch muss die Roboter beherrschen können und die Anschaffungskosten müssen im Rahmen bleiben.“ 

 

 

Viele offene Fragen

Klar ist also: Pflegeroboter und digitale AAL-Systeme werden künftig immer mehr Senioren und Fachkräfte im Alltag unterstützen und ihnen wichtige Entscheidungen abnehmen. Doch die technische Machbarkeit ist nur eine Seite der Medaille – die Ethik in der Pflege die andere. Denn rechtliche und ethische Aspekte wollen ebenso geklärt sein wie Fragen zu Datenschutz und Datensicherheit.
 
„Wissen wir eigentlich, was in selbstlernenden AAL-Systemen tatsächlich vorgeht? Und auf welcher Erkenntnisbasis sie Aktionen durchführen?“, fragte etwa Arne Manzeschke bei der Jahrestagung 2017 des Deutschen Ethikrates. Der Ethikexperte der Ludwig-Maximilians-Universität München beschäftigt sich mit Fragen rund um Ethik in der Pflege und befürchtet, dass durch autonome Lösungen in Medizin und Pflege menschliche Fertigkeiten und ein grosses Mass an Kreativität verloren gehen könnten. Und sowohl Medizin als auch Menschheit mittelfristig ohne autonome Assistenzsysteme womöglich handlungsunfähig werden könnten. „Denken wir nur an den Wannacry-Virus“, sagt Manzeschke, „der in etlichen britischen Kliniken sämtliche Systeme lahmgelegt und einen Vorgeschmack darauf geliefert hat, wie real diese Gefahr ist.“
 
Auch die massenhafte Speicherung und Verarbeitung intimster Gesundheitsdaten ist nicht jedermanns Sache. Welche Informationen werden gespeichert? Was passiert damit? Wer hat Zugriff darauf? Fragen, die Patienten und ihre Angehörigen umtreiben. Allein den Schutz der Daten zu gewährleisten, wird auf Dauer nicht reichen. Es geht um durchgängige Transparenz – also die Frage, wer wie und mit welchem Recht auf die Informationen zugreift. Und darum, dass der Anwender Herr über die eigenen Daten bleibt.
 

Aktive Auseinandersetzung mit Ethik in der Pflege

Dass sich autonome Assistenzsysteme in Medizin, Pflege und Seniorenwohnungen durchsetzen werden, scheint dennoch ausser Frage. Schliesslich nutzen viele Kunden entsprechende Angebote schon.  „Wir müssen die technischen Möglichkeiten aber an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausrichten“, sagt nicht nur Forschungsministerin Wanka. Dazu gehört auch, Ängste und Vorbehalte der Anwender ernst zu nehmen und rechtliche und ethische Leitplanken zu definieren.

So hat das Europäische Parlament im Februar 2017 Empfehlungen an die Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik formuliert. Dabei geht es vor allem darum, ethische Grundsätze für die Entwicklung und den Gebrauch von smarter Robotik zu entwickeln sowie zahlreiche noch offene Haftungsfragen zu klären. Ausserdem hat das Parlament die EU-Kommission aufgefordert, langfristig über die Einführung eines eigenen rechtlichen Status für intelligente Roboter nachzudenken.

„Ob die Einführung von eigenen ‚e-Personen‘ der richtige Weg ist, bleibt fraglich“, sagt Christiane Wendehorst, Zivilrechtsexpertin von der Universität Wien, im Gespräch mit T-Systems. „Unstrittig ist jedoch, dass Politik und Juristen zeitnah einen Rechtsrahmen definieren müssen, der unsere digitale Zukunft beherrschbar und lebenswert erhält.“

 

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Mario Engel
Head of Portfolio Management, T-Systems Schweiz
Serie: Arbeitsplatz der Zukunft  Der Arbeitsplatz der Zukunft muss den Anforderungen nach höchster Mobilität,  Flexibilität, Sicherheit und Produktivität gerecht werden. Mehr erfahren
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