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Wenn Maschinen Verträge eingehen

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Erstellt: 26.06.2018

Blockchain automatisiert die Supply Chain

Noch füllt Blockchain die Spalten in den Finanzrubriken der Medien im Zusammenhang mit Kryptowährungen. Dabei kann die neue Technologie in der Logistik zu fast ebenso revolutionären Umwälzungen führen wie im Bankensektor. In Kombination mit dem Internet of Things sind Anwendungen möglich, die die Supply Chain automatisieren, einen Teil der Intermediäre ausschalten und Ressourcen sparen.


Blockchain: Durch die Technologie und das Internet of Things sind Anwendungen möglich, die die Supply Chain komplett automatisieren.

Blockchain ist wie ein verteiltes digitales Geschäftsbuch (distributed Ledger), das Transaktionen zwischen verschiedenen, verteilten Vertragspartnern in Form aneinander gereihter Datenblöcke wie ein Journal aufzeichnet. Die permanent von allen Beteiligten einsehbare Transaktionshistorie und die dezentrale Organisation machen Blockchain zur sicheren Technologie. Vertrauen wird quasi automatisiert, denn einmal vollzogene Transaktionen können nachträglich nicht mehr verändert werden. Dieses technologische Fundament entfaltet seine volle Wirkung dann, wenn es um prozessbezogene Abläufe, sogenannte Smart Contracts, erweitert wird.

Smart Conctracts sind eine Art intelligenter Verträge, die – vereinfacht erklärt – nach dem Wenn-Dann-Prinzip aufgebaut sind. Wenn eine bestimmte Bedingung erfüllt ist, wickelt sich ein vorab definierter Prozess  ab. In der vernetzten Welt des Internets der Dinge kann damit der Waren- und Gütertransport in völlig neuer Form organisiert werden.

Denn mit GPS und Sensoren ausgestattete Transportmittel werden als cyberphysikalische Systeme, zum Bestandteil einer automatisierten Geschäftsprozesskette. Man stelle sich das folgendermassen vor: Fährt der LKW mit dem Container auf den Hof des Bestimmungsorts meldet das GPS die korrekte Ankunft. Der Temperatursensor bestätigt, dass das Gut über die gesamte Reise im vereinbarten Temperaturspektrum gehalten wurde, die Sensoren für Druck oder Feuchtigkeit weisen ebenfalls in ihren Daten keine unvorhergesehenen Vorkommnisse aus, die die Qualität der Ware beeinträchtigt haben könnten. Sind alle Bedingungen, zu denen sich die Vertragspartner verpflichtet hat, erfüllt, kann z.Bsp automatisch die Zahlung ausgelöst werden.

Programmiertes Vertrauen

Gerade im internationalen Warenverkehr, in dem sich Kunde und Käufer nicht kennen und noch keine Erfahrungen miteinander gemacht haben, kann durch diese digitalisierte Abwicklung Vertrauen sozusagen programmiert werden. Damit bedroht die neue Technologie einen wesentlichen Teil des Geschäftsmodells von Auslandbanken, die bislang grenzüberschreitende Geschäfte über ihre Bankgarantien absichern.

Doch nicht nur der einzelne Container oder die individuelle Lieferung kann durch Blockchain und Smart Contracts manipulationssicher und effizienter zu ihrer Bestimmung gelangen. Ganze Supply Chains werden dadurch transparenter und können kostengünstiger nachverfolgt und ressourcenschonender abgebildet werden. Beispielsweise kann via Blockchain ein ununterbrochener Informationsfluss über Standorte und Zustand von Zuliefermaterialien sichergestellt und in Echtzeit auf Engpässe reagiert werden.

Zwar gibt es Transportwegüberwachung bereits seit längerem, allerdings oftmals mit Lücken und nicht alle am Logistikprozess beteiligten Parteien öffnen ihre eigenen Systeme vorbehaltlos für ihre Partner. Anders ist es mit der Blockchain: Alle Teilnehmer haben Zugriff und sind auf demselben Informationsstand. Im Unterschied zu Online-Marktplätzen oder Lieferantenportalen gibt es keine zentrale Instanz. Unabhängig von Intermediären werden alle  Transaktionen wie zum Beispiel Bestellungen, Bestellbestätigungen oder Lieferavis in der dezentral  verteilten Blockchain durchgeführt.

Blockchain als digitaler Notar

Zudem können im Smart Contract Regeln aufgestellt werden, wer auf welche Daten zu welchem Zeitpunkt zugreifen darf. Dadurch wird die Datentransparenz auf ein für die erfolgreiche Kooperation notwendiges Minimum reduziert. Darüber hinaus fungiert in Sachen Nachhaltigkeit und Compliance die Blockchain für Smart Contracts wie ein digitaler Notar und Informationslücken wie fehlende Herkunftsnachweise im Zulieferungs- und Fertigungsprozess werden vermieden. Und noch etwas Zukunftsmusik: Da die in den Smart Contracts definierten Bedingungen und Regeln, die entweder vor oder bei Vertragsschluss erfüllt sein müssen, in maschinenlesbarer Form vorliegen und sich selbst ausführen, wird es künftig möglich sein, dass Maschinen und technische Systeme direkt Verträge miteinander abschliessen. So gewinnt die Supply Chain noch mehr an Effizienz und erhält das Potenzial, künftig auch eigenständig smarte Entscheidungen zu treffen.

Doch auch wenn Marktforscher eine Verzehnfachung des globalen Blockchain-Marktes bis 2021 auf über 2,3 Milliarden US-Dollar prognostizieren – beim Einsatz von Blockchain gilt wie bei allen Technologien als zentrale Frage für die Entscheider: «Welchen Mehrwert generiere ich durch eine Implementierung auf Blockchain-Basis im Vergleich zu einer klassischen Lösung?».

[Dieser Artikel ist am 7.6.18 in der Handelszeitung erschienen]

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